Lebendige Beizenszene Bern

Von René Grüninger

Lebendige Beizenszene Bern

Wo Wirte umgebaut haben
Bern

SCHIFF AHOI!

Es ist eine gute Idee, mit dem Apéro in der Bar Ô Capitaine zu beginnen. Dort steht er, der Seefahrer, wenn er nicht gerade mit einer Gruppe seiner Gäste auf seiner Segeljacht ausgelaufen ist. In seinem kleinen Lokal schenkt der Franzose seine besten Weine der Provence aus. Sein Berndeutsch mit Akzent verdoppelt glatt seinen Sympathiebonus. Da die Bar auch ein exzellentes Restaurant ist, bleibt gerne dort hängen, wer eigentlich weiterziehen wollte. 

Ô Capitaine, Herzogstrasse 12, Bern. ocapitaine.ch

 

MOMENTAUFNAHME

Sven Stauffer und Florian Stalder sind gelernte Köche, mit Leidenschaft und Ideen ausgestattet. Ihre Menükarte ist spannend bis rätselhaft. Nicht die einzelnen Speisen werden aufgeführt, sondern nur die Zutaten. Zum Beispiel: Karotte, Hanf/Saibling, Gerste, Spinat/Ei, Persilie/Zwiebel, Hagenbutte, Birne. Es ist am Besucher, sich entweder überraschen zu lassen oder dem Gastgeber die Rätsel zu entlocken. Diese Küche ist von hohem Niveau, was für Stauffer und Stalder aber kein Grund ist, die Stimmung im Lokal fernab von steifem Kellnergehabe nicht locker oszillieren zu lassen.

Moment, Gerechtigkeitsgasse 56, Bern. moment-bern.ch

 

TELLERGESCHICHTEN

Die neuen Wirte des Marzer sind nach eigenen Angaben nicht nur den Koch-, nein den Künsten ganz allgemein verfallen. Naima Borchert und ihr Team erzählen dem Gast gerne kulinarische Geschichten aus dem Teller und über dessen Rand hinaus. Illustre Namen der Kulturszene, wie Pedro Lenz oder Peter Schneider, haben hier schon das Menü gewürzt. 

Marzer, Brückenstrasse 12, Bern. marzer-bern.ch

 

SÜSSE VERFÜHRUNG

Ebenfalls eine gute Idee ist es, das Dessert im Apfelgold zu nehmen, diesem liebenswerten Tearoom mit Wohnzimmeratmosphäre. Manche ziehen es allerdings vor, zum Fünfuhr-Tee dort einzukehren und es sich mit einem Schmöker aus der Bücherwand gemütlich zu machen. Doch wer ehrlich ist, wird eingestehen, dass es eben doch die Pâtisserie ist – quel délice! –, die ihn immer wieder in dieses kleine Sündenlokal lockt.

Apfelgold, Bonstettenstrasse 2, Bern. apfelgold.ch

 

René Grüninger ist der Herausgeber von «Essen gehn!», einem Restaurant-Führer und Gutschein-Buch in einem.

Basil Stücheli ist Fotograf und hat die Bilder für «Essen gehn!» eingefangen. basilstuecheli.ch

 

Im Transhelvetica, dem Magazin für die Kunst des Reisens, hat  René Grüninger, Herausgeber der Essen gehn! Bücher seit kurzem eine eigene Kolumne. Darin erzählt er regelmässig Geschichten und Erlebnisse rund ums Essen. Mehr über dieses schöne Heft, zum Beispiel, wo man es kaufen, abonnieren, inserieren kann auf www.transhelvetica.ch